Bericht über den Vortrag von Pierre Lanapats, französischer Konsul in München, „Die deutsch-französischen Beziehungen und Europa“

Deutschland und Frankreich als Impulsgeber für Europa

ARTIKEL Mittelbayerische Zeitung, 12.2.2019

Einen Abend der besonderen Art durften die Mitglieder und Freunde der Deutsch-französischen Gesellschaft Regensburg e.V. am vergangenen Donnerstag erleben. Trotz des kurz vor Veranstaltungsbeginn einsetzenden Eisregens haben sich etliche Zuhörer am Abend in der Weinschenkvilla eingefunden und wollten sich den Vortrag des aus München angereisten französischen Generalkonsuls Pierre Lanapats über „die deutsch-französischen Beziehungen und Europa“ nicht entgehen lassen. Der Abend wurde feierlich mit den Nationalhymnen Frankreichs und Deutschlands sowie der Europahymne eröffnet, die von sieben jungen Blechbläsern des Werner-Von-Siemens-Gymnasiums in Regensburg vorgetragen wurden.

Nach einer kurzen Begrüßung durch die beiden Präsidenten der DFG, Catherine Hummel-Mitrécé und Berthold Wahl, sprach der französische Generalkonsul über die deutsch-französische Freundschaft und deren besondere Bedeutung für die Europäische Gemeinschaft. In Zeiten, in denen der Nutzen der Europäischen Union von verschiedenen Seiten in Frage gestellt wird, ist es umso wichtiger, dass Deutschland und Frankreich sich gemeinsam für das größte Projekt des Friedens und Wohlstands stark machen.

Die Zusammenarbeit zwischen dem „deutsch-französischen Paar“ ist gemäß Pierre Lanapats so intensiv wie nie, auch wenn dies alles andere als selbstverständlich ist. Denn in beiden Ländern sind bestimmte Denkmuster und Handlungsweisen durchaus verschieden. Umso wertvoller erscheint diese einzigartige Freundschaft, vor allem, wenn man die weltweiten Herausforderungen, die es anzugehen gilt, betrachtet. Pierre Lanapats sieht die Welt im Wandel begriffen. Den Klimawandel, die Globalisierung und die Digitalisierung nennt er als die großen Herausforderungen der Zukunft, die Europa gemeinsam mit den anderen Ländern zu bewältigen hat. Ein Problem dabei ist, dass das multilaterale System von einigen Akteuren inzwischen in Frage gestellt wird, wenn man z. B. an die zunehmend unilaterale Ausrichtung der Handelspolitik bestimmter Länder denkt.

Die deutsche und französische Regierung wollen in und mit der Europäischen Union die Herausforderungen gemeinsam angehen und gestärkt daraus hervorgehen.  Dabei sollen die Ideen der Aufklärung in Europa unverändert gelebt werden. Ziel ist ein weiterhin souveränes und demokratisches Europa, das wirtschaftlich stark ist, in dem die Menschen sicher und in Wohlstand leben können, das die Herausforderungen der Migration gemeinsam angeht und Vorbild für nachhaltige Entwicklung ist. Gemäß Pierre Lanapats können Deutschland und Frankreich Impulsgeber für die Bewältigung der zukünftigen Herausforderungen Europas sein. Sechsundfünfzig Jahre nach Abschluss des Elysée-Vertrages, der vor allem der Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland diente, wurde kürzlich der Vertrag von Aachen geschlossen.
Ziel ist die Bekräftigung und Vertiefung der Freundschaft zwischen beiden Ländern. Auf höchstem Niveau soll die Zusammenarbeit im Sinne Europas gestärkt und in gewisser Weise auch „neu“ erfunden werden.
Strategische Entscheidungen müssen laut Pierre Lanapats an die aktuellen Herausforderungen angepasst und gemeinsam abgestimmt werden. Dies wird unter anderem durch gemeinsame Initiativen wie z. B. die Initiative für künstliche Intelligenz gefördert.

Im Anschluss an die Rede stellte sich der französische Generalkonsul offensichtlich gerne den Fragen der anwesenden Zuhörer. Es entstand eine lebhafte Diskussion, in der auch die „Gelbwesten“ in Frankreich thematisiert wurden. Der Abend klang schließlich in gemütlicher Runde mit einem Glas Cidre und einem Stück Galette des Rois aus.

Weitere Informationen und Veranstaltungshinweise der Deutsch-französischen Gesellschaft Regensburg unter www.dfg-regensburg.de.

08.02.19/SB